Von Gerd Kommer und Daniel Kanzler
Dieser Beitrag wurde im August 2026 aktualisiert.
Neben Aktien, Anleihen, Immobilien, Kryptoanlagen und Sammlerobjekten sind Rohstoffe eine der großen Hauptanlageklassen, in die man als Anleger investieren kann.
Rohstoffe, neudeutsch „Commodities“, lassen sich in fünf Hauptgruppen aufteilen: Energie (Erdöl, Erdgas, Kohle und andere), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium), Basismetalle/Industriemetalle (Kupfer, Blei, Zink, Aluminium und andere), Mineralstoffe (Bauxit, Phosphat, Schwefel und andere), Agrarrohstoffe/Lebendvieh (Weizen, Mais, Reis, Soja, Kaffee, Baumwolle, Lebendvieh und andere).
Gemessen an ihrem jährlichen Produktions- oder Handelswert existieren über diese fünf Gruppen hinweg etwa 40 bis 45 weltwirtschaftlich bedeutende Rohstoffe. Rohstoffindizes, die von ETFs abgebildet werden, umfassen diese 40 bis 45 oder eine Teilmenge von ihnen, z. B. nur Basismetalle, nur Agrarrohstoffe oder nur Energierohstoffe.
Elektrizität, die aus Wind- oder Solarparks erzeugt wird, wird direkt in die Stromnetze eingespeist, also nicht gespeichert oder zwischengelagert, wie das bei Rohstoffen zur Energieerzeugung ansonsten der Standardfall ist (Öl, Erdgas, Uran etc.). Daher wird diese Elektrizität im Allgemeinen nicht zu den handelbaren Rohstoffen gezählt und ist nicht Bestandteil entsprechender Rohstoffindizes.
Edelmetalle und insbesondere Gold werden aus Investmentsicht oft als eigenständige Anlageklasse betrachtet, getrennt von den übrigen „gewerblichen“ Rohstoffen, die – im Unterschied zu Gold – im volkswirtschaftlichen Produktionsprozess tatsächlich eingesetzt bzw. verbraucht werden. Rohstoffe exklusive Edelmetalle werden gelegentlich als „Primärrohstoffe“ bezeichnet. Vor dem Hintergrund dieser Abgrenzung befassen wir uns in diesem Blog-Beitrag daher vorwiegend mit Rohstoffen exklusive Edelmetalle.
Zu Gold und anderen Edelmetallen (Silber, Platin, Palladium) haben wir drei gesonderte Blog-Beiträge geschrieben:
- „Gold als Investment“
- „Edelmetalle als Beimischung“
- „Der Goldstandard: Ein Motor für mehr Wirtschaftswachstum?“
Vergleicht man das jährliche globale Produktionsvolumen des Rohstoffmarktes mit der globalen Marktkapitalisierung der Anlageklassen Aktien, Anleihen und Immobilien, ist die Anlageklasse Rohstoffe bzw. der Rohstoffmarkt eher klein. Das geschätzte Produktionsvolumen von Primärrohstoffen betrug 2025 ungefähr 8.000 Mrd. USD. Dagegen besaß der globale Aktienmarkt Mitte 2026 eine Marktkapitalisierung von ungefähr 126.000 Mrd. USD, der globale Anleihenmarkt eine von etwa 145.000 Mrd. USD.
Wie man in Rohstoffe investiert
Es mag für manchen überraschend klingen: Privatanleger können in Rohstoffe – mit der Ausnahme von Edelmetallen – nicht direkt investieren. Für Rohstoffdirektanlagen – im Finanzjargon Commodity Spot Market Investments – wären die Kosten für Transport, Lagerung und Versicherung viel zu hoch. [1] Man versuche einmal für 10.000 Euro Eisenerz, Öl oder Weizen zu kaufen und dann in Empfang zu nehmen. Jede denkbare Rendite eines solchen Vorhabens würde für Privatanleger durch die genannten Nebenkosten aufgefressen.
Wer als Privatanleger (oder auch als großer institutioneller Investor) in Rohstoffe investieren möchte, der wird das über Rohstoff-Futures tun, zu Deutsch: Rohstoff-Termingeschäfte. „Futures“ (immer mit „s“ am Ende) ist der englische Fachbegriff für ein „verbrieftes“, standardisiertes Termingeschäft. „Verbrieft“ bedeutet in Wertpapierform. Ein Futures Contract ist also ein Termingeschäft, das nicht einzelfallbezogen zwischen zwei Parteien vereinbart und abgewickelt wird, sondern eines, das in standardisierter (einheitlicher), verbriefter Form während seiner Laufzeit frei zwischen verschiedenen Investoren als Wertpapier hin und her getradet werden kann.
Bei einem Termingeschäft fallen das Geschäftsabschlussdatum, an dem der Preis sowie die anderen wichtigen Bedingungen des Geschäftes festgelegt werden, und das spätere Liefer- und Bezahldatum des Kaufgegenstandes zeitlich auseinander. Bei einem normalen Spot-Markt-Geschäft, z. B. der Kauf einer Tasse Cappuccino bei Starbucks, gibt es kein solches Auseinanderfallen.
Eigentlich sind Termingeschäfte eine banale Sache, und die meisten von uns haben in ihrem Privatleben wohl schon viele „Termingeschäfte“ (Auseinanderfallen von [a] Abschluss sowie [b] Bezahlung und Lieferung) getätigt, ohne das als etwas Besonderes zu empfinden und vermutlich, ohne es zu merken.
Die ersten organisierten Termingeschäfte und -märkte gab es in der japanischen Landwirtschaft unter Reisbauern und ihren Abnehmern schon im 17. Jahrhundert. Terminmärkte sind also genauso alt und vielleicht sogar älter als die ersten Börsen für Aktien und Anleihen. Bei einem Termingeschäft vereinbaren Verkäufer (Rohstoffproduzenten, z. B. ein Reisbauer) und ein Abnehmer (z. B. ein Reishändler) am Tag T0 die Lieferung und den Verkauf von Waren (hier Reis als Agrarrohstoff) an einem künftigen Termin, z. B. T180 (sechs Monate nach T0). Der Preis wird zwischen den beiden Parteien bereits in T0 verbindlich festgelegt, die Lieferung und Bezahlung erfolgen jedoch erst in T180.
Für den Bauern hat das den Vorteil, dass er bereits am Tag T0 weiß, welchen Preis er für seine Ware in sechs Monaten erlösen wird. Durch das Terminarrangement kauft sich der Bauer eine „Preisversicherung“ und kann so besser und sicherer wirtschaften und kalkulieren. Beispielsweise ist er so vor dem Risiko eines vielleicht existenzvernichtenden Preisrückgangs wegen einer allgemeinen Rekordernte in einem anderen Landesteil geschützt. Der Bauer muss für die Versicherung unmittelbar kein Geld aufwenden.
Der Abnehmer (der Reisgroßhändler) auf der anderen Seite des Termingeschäfts ist seinerseits vor Preisanstiegen zwischen T0 und T180 geschützt. Auch er hat dadurch mehr Planungssicherheit und zudem den risikosenkenden Vorteil, dass er den Reis erst bei physischer Lieferung in T180 bezahlen muss.
Ein Rohstoff-Futures-ETF funktioniert im Grunde genauso. Bei ihm nimmt der Privatanleger indirekt die Rolle des Rohstoffkäufers ein. Der Anleger hinterlegt den Kaufpreis für T180 (anders als der Reishändler) allerdings schon in T0 und bekommt dafür bis T180 die Rendite des Geldmarktes (in der Praxis sind das supersichere kurzfristige Staatsanleihen). Bei einem Rohstoff-ETF existieren je nach Design des zugrundeliegenden Index Kontrakte mit einer bestimmten oder sich verändernden Laufzeit. Für jeden Kontrakt (jedes Termingeschäft), das ausläuft, wird schon vor dem Auslaufdatum, ein neuer Kontrakt aufgesetzt. Dies geschieht durch Verkauf des bisherigen und Kauf eines neuen Kontraktes mit Lieferung weiter in der Zukunft.
Bei den meisten Rohstoff-ETFs geht nicht nur um einen einzelnen Rohstoff, sondern um eine sachlogisch definierte Gruppe von Rohstoffen (einen Commodity-Futures-Index).
Einflussfaktoren für die Rendite
Die Gesamtrendite für den Käufer eines Terminkontraktes bzw. eines Rohstoff-Futures-ETFs setzt sich wie folgt zusammen:
- Den zugrunde liegenden Spot-Markt-Preisveränderungen des Rohstoffes im Zeitablauf. Diese Rendite dürfte langfristig real (inflationsbereinigt) und vor Kosten und Steuern ungefähr zwischen 0% und 1% p.a. liegen. Dazu mehr weiter unten.
- Dem sogenannten Roll Return, der sich aus der Differenz zwischen dem Spot-Markt-Preis am Einlösetermin des Futures-Kontrakts und dem früher festgelegten Futures-Preis ergibt. Wenn diese Differenz für den Käufer positiv ist (der Spot-Market-Preis liegt über dem bei Vertragsabschluss festgelegten Futures-Preis), ergibt sich für ihn ein Gewinn, eine positive Rollrendite. Die Rollrendite müsste – wenn Rohstoff-Futures attraktive Investments sein sollen – im langfristigen Mittel für die dem betreffenden Index zugrunde liegenden Rohstoffe zumindest leicht positiv sein, war in den letzten 25 Jahren in der Praxis jedoch meist negativ.
- Den Zinseinnahmen aus kurzfristigen Staatsanleihen, die aus dem vom Käufer des Kontrakts hinterlegten Kapital (Besicherung des Kontrakts) für die Kaufsumme erwirtschaftet werden.
Die Renditen von Rohstoff-Futures können und werden sich in Zeiträumen von einem Jahr bis rund zehn Jahren oft stark von den Renditen der Rohstoff-Spot-Märkte (in die man – wie gesagt – ohnehin nicht investiere kann) abkoppeln. Letztlich deswegen, weil es sich alles in allem um zwei unterschiedliche Märkte und Investitionsstrukturen handelt.
Wenn der im Futures-Kontrakt festgelegte so genannte Futures Preis zu einem gegebenen Zeitpunkt (bei Vertragsabschluss oder später) niedriger ist als der augenblickliche Spot-Markt-Preis, dann spricht man von einer „Backwardation“-Situation. Diese Differenz (das Ausmaß der Backwardation), kann und wird während der Laufzeit des Vertrages zunehmen oder abnehmen – in dem Maße wie sich der Spot-Markt-Preis jeden Tag ändert.
Auf das Reisbauer-Beispiel bezogen: Der Futures-Preis ist der Preis, zu dem der Reishändler den Reis im Herbst vom Reisbauer abnehmen und bezahlen wird. (Die Bezahlung erfolgt im Herbst, aber der Futures-Preis wurde zwischen den Parteien, wie erwähnt, schon im Frühjahr bei Vertragsabschluss festgelegt.)
Backwardation ist für den Besitzer des Futures (den Investor) vorteilhaft, insbesondere am Ende der Kontraktlaufzeit. Er bekommt die Ware am Vertragsende und kann sie sofort mit Gewinn zu einem höheren Preis im Spot-Markt verkaufen. Der Roll-Return ist dann positiv. Im Ergebnis liegt hier eine Buy-Low-Sell-High-Situation vor.
Ist der Futures Preis höher als der Spot-Markt-Preis spricht man von einer „Contango“-Situation. Hält diese Situation bis zum Ende der Laufzeit des Kontraktes an, ist der Roll-Return negativ, sprich es kommt zu Buy high, sell low. Das ist schlecht für den Anleger.
Fun fact: Das Wort „Contango“ ist im 19. Jahrhundert im Londoner Finanzmarkt aus „Continuation“ (Verlängerung, Fortsetzung“) abgeleiteter Finanz-Slang. „Backwardation“ ist gleichermaßen eine Ableitung aus „backward“ (rückwärts, zurück) im Sinne von (damals) „Verkürzung“.
Dass ein Futures-Investor sich die Ware gar nicht ausliefern lässt, sondern kurz vor Vertragsende den alten Vertrag in einen neuen Vertrag „rollt“ ist nur ein mechanisches, aus investmentmäßiger Sicht letztlich irrelevantes Detail. Der finanzielle Effekt bleibt der gleiche gegenüber dem Auslieferungsszenario.
Langfristrenditen im Rohstoff-Spot-Markt
Zurück zum Spot-Markt. Die historische reale Preissteigerung von Rohstoffen (über alle Rohstoffgruppen hinweg) gemessen am Spotmarkt war bzw. ist auf lange Sicht sehr niedrig – nicht weit über null. Wie hoch der konkrete Wert in einer historischen Datenreihe aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Wann beginnt die Datenreihe? Vor, während oder nach der industriellen Revolution? Während dieser welthistorisch einmaligen Phase von etwa 1780 bis 1870 zogen Rohstoffpreise stark an, bevor sie später wieder fielen. In den 1970er und früheren 1980-Jahren stiegen die Energiepreise (vor allem der Ölpreis) aufgrund einer von den arabischen Ländern rein politisch verursachten Ölverknappung für mehrere Jahre ebenfalls sehr stark. (In den etwa sieben Jahren von März 1973 bis Juni 1980 „explodierte“ der Ölpreis in USD real um fast 500%.) Danach sanken die Preise jedoch wieder.
- Wie ist der zu betrachtende Rohstoffindex zusammengesetzt? Bei Rohstoffindizes existiert keine allgemein akzeptierte Standardgewichtungsmethode für die vielen individuellen Rohstoffe oder Rohstoffgruppen, wie das z. B. bei Aktien- oder Anleihenindizes der Fall ist (die Gewichtung nach Marktkapitalisierung).
Der kanadische Wirtschaftswissenschaftler David S. Jacks führt eine Datenbank zu Spot-Markt- Rohstoffpreisen. Die aktuellste Version enthält Daten von Ende 1900 bis Ende 2025 (125 Jahre). Diesen Zahlen zufolge hatte ein gleichgewichteter Index aus den nach Produktionsvolumen 42 wirtschaftlich bedeutendsten Rohstoffen eine Durchschnittsrendite (Wertsteigerung) von minus 0,1% p.a. Bei einer Gewichtung nach Produktionsvolumen wäre die Rendite leicht positiv gewesen.
Die Hauptaussage ist klar:
- Die Preise nachwachsender Rohstoffe (Agrarrohstoffe) sinken inflationsbereinigt auf lange Sicht langsam mit einer Rate von etwa –0,5% p.a. Einzelne Rohstoffe schneller, andere langsamer. (Innerhalb eines z. B. Zehnjahreszeitraums können alle Rohstoffpreise sehr stark vom Langfristtrend abweichen.)
- Die Preise nicht nachwachsender Rohstoffe (vor allem Edelmetalle, Basismetalle und Energierohstoffe) steigen inflationsbereinigt auf lange Sicht mit einer moderaten Rate von zwischen 0 und 1% p.a. Einzelne Rohstoffe liegen am unteren, andere am oberen Ende dieser Spanne.
Aufgrund des schon lange und unumkehrbar abnehmenden globalen Bevölkerungswachstums [2] und wegen des technischen Fortschritts – Wirtschaftswachstum wird tendenziell immer weniger rohstoffintensiv [3] – könnte das Trendwachstum bei Rohstoffpreisen in der langfristigen Zukunft noch niedriger sein.
Diese niedrigen Zahlen werden all jene überraschen, die glauben, dass Rohstoffe immer knapper werden und ihre Preise deswegen langfristig steigen müssten (Preise sind bekanntlich Knappheitsindikatoren).
Die irrige Verknappungstheorie
Die Rohstoffverknappungstheorie ist ein nicht ausrottbares Märchen, das Untergangspropheten seit gut 150 Jahren verbreiten. Leider stimmen viele radikale Vertreter der in den 1970er-Jahren entstandenen Ökologiebewegung in diesen Unsinn mit ein, weil es zu ihrem pessimistischen Wunschweltbild passt.
Erstmalig wurde das Ammenmärchen oder der Denkfehler der zunehmenden Rohstoffverknappung – je nachdem wie man das benennen möchte – im Jahr 1798 in einem heute berühmten Aufsatz des britischen Ökonomen Thomas Malthus (1766–1834) formuliert, dem geistigen Ahnherrn aller Berufspessimisten.
180 Jahre später, 1986, publizierte der amerikanische Biologe Paul Ehrlich (1932–2026) [4] ein Buch mit dem Titel „The Population Bomb“. Darin prognostizierte Ehrlich in den folgenden 20 Jahre Kriege, Bürgerkriegen und Hungersnöte aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung bei zugleich vermeintlich endlichen, mengenmäßig begrenzten Rohstoffen.
Ein ähnliches Apokalypse-Szenario, das in den Weltmedien noch mehr Aufmerksamkeit erzielte, wurde wenige Jahre später, 1972, von einer Autorengruppe skizziert, die sich „Club of Rome“ nannte. Ihr Buch hatte den Titel „The Limits of Growth“ (Die Grenzen des Wachstums).
Beide Bücher waren im Kern „Malthus-2.0-Thesen“. Im Club-of-Rome-Buch lag dieser – wie sich in den Jahrzehnen danach herausstellte – Falschprognose ein „komplexes Computer-Modell“ zugrunde, was damals ein Novum war. Die Aura der „Computer-basierten Mathematik“ in der Untersuchung trug zu der enormen weltweiten Beachtung des Buches bei.
Tatsache ist, dass die Menschheit niemals mit echter Rohstoffknappheit zu kämpfen haben wird.
- Agrarrohstoffe sind definitionsgemäß nicht limitiert, da nachwachsend. Darüber hinaus sorgt der Fortschritt in Biologie und Landwirtschaft dafür, dass die Produktivität hier im Zeitablauf steigt und die Ressourcenintensität abnimmt.
- Energierohstoffe werden ebenfalls nie strukturell knapp werden. Man denke an Energie aus erneuerbaren Quellen, z. B. Sonne, Wind und Geothermie. Für Strom aus Kernkraft existieren gleichfalls keine praktisch relevanten Grenzen. [5]
- In Bezug auf die sonstigen nicht nachwachsenden Rohstoffe – Basismetalle, Mineralstoffe und fossile Brennstoffe – ist der größte Teil der Erde noch gar nicht nach ihnen abgesucht worden, vor allem die Flächen unter den Ozeanen, weil das bisher technisch nicht möglich war oder es sich bei den bisherigen Rohstoffpreisen nicht rechnete. Die technischen Grenzen werden jedoch immer weiter ausgedehnt. In den nächsten 50 Jahren wird es vielleicht möglich sein, Rohstoffe auf Asteroiden abzubauen.
- Überdiese sinkt – wie oben erwähnt – die Rohstoffintensität des globalen Wirtschaftswachstums schon seit mehr als 20 Jahren. Das weltweite Bevölkerungswachstum geht ebenfalls seit langem zurück und wird ab etwa 2085 negativ werden, wenn die Weltbevölkerung anfangen wird zu schrumpfen.
- Last but not least: Viele Rohstoffe können bei entsprechenden Preisverhältnissen gegenseitig durch Alternativen substituiert werden. Diese Substituierbarkeit wird durch den technischen Fortschritt mit der Zeit ebenfalls immer leichter und häufiger umsetzbar. Man denke beispielsweise an Wasserstoff anstelle von Diesel.
Weil also das Knappheitsargument nicht stimmt, kann es auch keine strukturell preistreibende Wirkung haben.
Historische Renditen von Rohstoff-Futures
In der nachfolgenden Tabelle betrachten wir die historischen Renditen von Rohstoffen und vergleichen sie mit den beiden Anlageklassen Aktien-Global und Geldmarktrenditen. Bei Rohstoffen unterscheiden wir dabei zwischen dem nicht investierbaren Rohstoff-Spotmarkt (Direktanlagen in Rohstoffe) und dem investierbaren Rohstoff-Terminmarkt (Commodity-Futures-Markt), hier in Gestalt des eines bekannten passiven Rohstoff-Futures-Index Bloomberg Commodity Index, auf den in Deutschland auch zahlreiche ETFs angeboten werden. Es existieren auch aktiv gemanagte Rohstoff-Futures-Fonds. Diese sind aber für normale Privatanleger in Deutschland schwer zugänglich.
Tabelle: Reale (inflationsbereinigte) Renditen und andere Kennzahlen von Rohstoffen und Aktien von Juli 2001 bis Juli 2026 (25 Jahre) in USD
► Ohne Kosten und Steuern. ► Alle Daten in USD. ► Renditen sind geometrische Durchschnitte. ► [A] Volatilität: Annualisierte Standardabweichung der nominalen Monatsrenditen. ►[B] Nominale arithmetische Durchschnittsrendite ÷ Standardabweichung der nominalen Monatsrenditen – eine Kennzahl für die „risikogewichtete Rendite“. ►[C] Korrelation der nominalen Monatsrenditen mit der USA-Inflation (CPI). ►[D] Korrelation der nominalen Monatsrenditen mit den Renditen des MSCI World-Index. ►[E] Reale Rendite von 31.07.2025 bis 31.07.2026. ►[F] Bank of Canada Commodity Index. ►[G] Bloomberg Commodity Index Total Return Variante. ► Daten: Bloomberg.
Was lässt sich aus der Tabelle ablesen und schlussfolgern?
Der Rohstoff-Spotmarkt (BOCI-Index) produzierte in den vergangenen 25 Jahren eine bescheidene durchschnittliche Wertsteigerung von real 1,1% p.a. Dieser Wert liegt etwas über dem langfristigen Durchschnitt seit dem Jahr 1900. Spotmarkt-Indizes sind aus den im Text genannten Gründen nicht investierbar.
Der Rohstoff-Terminmarkt in Gestalt des BCOMTR-Index lieferte in den letzten 25 Jahren eine unattraktive Durchschnittsrendite von real nur 0,2% p.a. (vor Kosten und Steuern). Über kurze Zeiträume von z. B. 12 Monaten oder fünf Jahren können die Rohstoff-Futures-Renditen naturgemäß weit höher oder weit niedriger sein als dieser langfristige Mittelwert. In den 12 Monaten bis Ende Juli 2026 hatte der BCOMTR-Index beispielsweise eine reale Rendite von 30,7% (in USD). Dieser hohe Wert hing vermutlich mit dem in dieser Phase stattfindenden Krieg zwischen Iran, USA und Israel zusammen (Sperrungen der Meerenge von Hormus).
Positiv zu vermerken ist die relativ niedrige Korrelation von Rohstoff-Futures mit dem globalen Aktienmarkt und die relativ hohe Korrelation mit der Inflation.
Ein 90/10-Portfolio aus dem MSCI World-Index und dem BCOMTR-Index hätte in diesen 25 Jahren eine leicht niedrige Rendite gehabt als der MSCI World-Aktienindex alleine bei etwa gleichen Werten für Volatilität, maximalem Drawdown und vereinfachter Sharpe Ratio (aus Platzgründen nicht in der Tabelle gezeigt). Eine 10%-Rohstoff-Beimischung hätte in diesen zweieinhalb Jahrzehnten also im Großen und Ganzen keinen Vorteil gebracht.
Betrachtet man Rohstoff-Futures-Renditen von 1970 (soweit gehen die Daten für den BCOMTR-Index und einen anderen bekannten Rohstoff-Futures-Index, den GSCI TR-Index, zurück bis etwa zur Großen Finanzkrise (Beginn 2007), dann fällt auf, dass die Renditen in diesen etwa 37 Jahren drastisch höher waren als in den letzten hier gezeigten 25 Jahren.
Warum die Rendite von Rohstoff-Futures im Zeitablauf gesunken ist
Wir glauben, dass es in den Nuller-Jahren einen Strukturbruch bei Rohstoff-Futures-Renditen gegeben hat. Soweit man dieser Annahme folgt, sind die historischen Daten vor dieser Zeit kaum repräsentativ für die Zukunft oder anders formuliert: Die in der Tabelle gezeigten niedrigen Renditedaten sind unseres Erachtens vermutlich diejenigen, an denen man sich für die Zukunft orientieren sollte.
Was könnten die Ursachen für den Strukturbruch bei den Renditen nach unten gewesen sein?
Potenzielle Ursache 1: Die Inflationsentwicklung. Rohstoffe haben dann gute Renditen, wenn die Inflation merklich steigt oder hoch ist, und eher schlechte Renditen, wenn sie fällt oder niedrig ist. In den 1970er Jahren gab es weltweit einen starken und lang anhaltenden Inflationsanstieg. Ab den Nuller-Jahren war die Inflation bis heute im Mittel merklich niedriger und auch weniger volatil als in den 30+ Jahren davor. Grob gesagt war die durchschnittliche Inflationsrate in den USA und anderen Ländern von 1970 bis Mitte der Nuller Jahre doppelt so hoch wie von den Nuller Jahren bis heute.
Potenzielle Ursache 2: Die „Financialization“ im Rohstoff-Futures-Markt. Mit diesem Fachbegriff ist gemeint, dass von ungefähr 1995 an Rohstoff-Futures-Investments von reinen Finanzinvestoren (Profi- und Privatanlegern) allmählich und stark zunahmen. Vorher waren in diesem vergleichsweise kleinen Markt nur Rohstoffproduzenten und Rohstoffhändler aktiv. Auslöser dieser „Wende“ ab Anfang der Nuller Jahre war die Publikation einiger wissenschaftlicher Aufsätze zu den rückwärtsgerichtet damals sehr attraktiven Renditen von Rohstoff-Futures. Das berühmteste Paper in dieser Hinsicht war das von Gorton/Rouwenhorst 2006 (siehe Literaturliste weiter unten). Nun traten als „Rohstoffabnehmer“ plötzlich immer mehr reine Finanzinvestoren neben die Händler aus der Realwirtschaft. In einem kleinen Markt wie es der Rohstoffmarkt ist, der nur langsam, parallel zur Weltwirtschaft, wächst, senkte diese strukturelle Änderung tendenziell die Roll-Renditen auf der Rohstoffhändler- bzw. Anlegerseite und erhöhte die Korrelation zum Aktienmarkt.
Über die Financialization im Rohstoff-Terminmarkt und ihre renditesenkende und korrelationserhöhende Wirkung ist in der Wissenschaft viel geschrieben worden. Ein endgültiger Konsens dazu existiert bisher nicht. Zwei Aufsätze, in denen diese Meinung vertreten wird, sind Erb/Harvey 2016 sowie Bianchi u. a. 2020. Ein Aufsatz, der die Financialization-These zurückweist, ist Bhardwaj u. a. 2015.
Praktische Hinweise
Im deutschen Privatanlegermarkt sind derzeit über 120 Rohstoff-Futures-ETFs verfügbar, die mehr als ein Dutzend unterschiedliche Rohstoff-Futures-Indizes abbilden, sowie weitere 50+ ETCs für einzelne Edelmetalle oder gemischte Edelmetallindizes.
Die Renditen der einzelnen Rohstoff-Indizes (und damit ETFs) unterscheiden sich in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren oft beträchtlich. Dafür ursächlich sind Unterschiede bei der Berücksichtigung einzelner Rohstoffgruppen und bei den Gewichtungsprinzipien, je nach Index, unterschiedliche Kostenbelastungen und im Einzelfall auch etwaiges Wechselkurs-Hedging.
Bei einigen Indizes (und ETFs) wird auch versucht über ein algorithmisches Regelwerk spezifische Futures-Kontrakte innerhalb einer Rohstoffgruppe, von denen man höhere Renditen erwartet als von anderen, höher zu gewichten. Das bedeutet tendenziell die Übergewichtung von Kontrakten mit mehr Backwardation bzw. weniger Contango und die Untergewichtung von Kontrakten, bei denen es umgekehrt ist.
Rohstoff-Futures-ETFs sind zum größten Teil Swap-ETFs, aber auch die wenigen Nicht-Swap-Rohstoff-ETFs sind insofern „synthetisch“ als hier direkt in Futures-Kontrakte, also Derivate (abgeleitete Wertpapiere) investiert wird. „Physisch“ kann man als Privatanleger nicht in Rohstoffe anlegen wie eingangs erläutert. Wir halten die Swap-Konstruktion hier für unproblematisch.
Im Zusammenhang mit Rohstoffinvestments reden manche „Experten“ von „Superzyklen“, also vermeintliche starke langfristige Aufwärtstrends bei den Preisen bestimmter Rohstoffe aufgrund angeblicher realwirtschaftlicher „Megatrends“ oder anderer „struktureller Entwicklungen“, die man als Anleger ausnutzen könne. In der Realität sind solche Superzyklustheorien vermutlich Nonsens. Dass „lange Preiszyklen“ nach oben oder unten rückblickend in den Daten der letzten 250 Jahren scheinbar oder tatsächlich erkennbar sind und sich ex post im Einzelfall plausible Narrative/Erklärungen zu diesen historischen Datenmustern formulieren lassen, [6] bedeutet wenig bis nichts für die Frage, ob man künftige Superzyklen mit ausreichender Verlässlichkeit identifizieren und damit investmentmäßig ausbeuten kann.
Die Aktien von Rohstoffunternehmen stellen keinen sinnvollen Ersatz für echte Rohstoffinvestments dar, obwohl das immer wieder irgendwo behauptet wird. Rohstoff-Futures und Rohstoff-Aktien haben ein stark unterschiedliches Rendite-Risikoprofil. Letztlich sind Rohstoffunternehmensaktien ganz einfach Aktien, die etwas höher mit dem Rohstoffmarkt korrelieren als der restliche Aktienmarkt, sie sind keine Rohstoffe und investmentmäßig kein Rohstoffersatz. Für das spezifische Beispiel von Aktien von Goldminenbetreibern und Gold haben wir das 2020 in einem YouTube-Video gezeigt.
Weiter oben sagten wir, dass man als Privatanleger nicht in Spot-Markt-Rohstoffe investieren kann (Ausnahme Edelmetalle). Diese kategorische Feststellung ist korrekt. Eine Scheinausnahme davon sind Zertifikate auf die Spot-Markt-Renditen einzelner Rohstoffe. Zertifikate sind jedoch rechtlich Bankschuldverschreibungen und bergen das Ausfallsrisiko (Rückzahlungsrisiko) der jeweiligen Bank in sich. Zertifikate haben zudem besonders hohe (zum Teil versteckte) Kosten. Überdies wird bei ihnen eben gerade nicht physisch in Rohstoffe investiert. Von Zertifikaten raten wir generell ab.
Eine potenziell attraktivere Form in Rohstoffe zu investieren sind ETFs auf „Market-Neutral“ Commodity Indizes (marktneutrale Rohstoff-Futures-Indizes). Bei diesen „Long-Short-Indizes“ werden Rohstoff-Futures nicht nur „normal“ über eine so genannte Long-Position, also einen konventionellen Kauf abgebildet, sondern zugleich auch über eine Short-Position (einen Leerverkauf). Long-Short-Investing wird oft auch „Carry Investing“ bezeichnet. Im deutschen Markt werden aktuell nur eine Handvoll ETFs auf solche Long-Short-Rohstoff-Indizes angeboten, darunter z. B. diese beiden UBS CMCI Commodity Carry SF UCITS ETF (WKN A2PRV7) und L&G Market Neutral Commodities UCITS ETF (WKN A412JV).
Privatanleger, die aus ökologischen oder ethischen Gründen mit nachhaltigem Investieren sympathisieren, werden tendenziell keine Anhänger von Rohstoff-Investments sein.
In unserem Alltagsleben, also in Bezug auf unsere Konsumausgaben, hilft es uns allen, wenn Rohstoffpreise fallen. Dann profitieren wir als Konsumenten davon, da Rohstoffe in die Preise der Mehrzahl aller Güter und Dienstleistungen eingehen. Wenn Rohstoffpreise steigen, wird es umgekehrt Rohstoff-Futures-Anleger begünstigen.
Fazit
Die für uns überzeugenden Argumente zugunsten von Rohstoffinvestments sind die folgenden:
- Wer in Rohstoffe investiert, der sollte das im Rahmen einer begrenzten Beimischung tun, um ein Portfolio aus Aktien und Anleihen zu diversifizieren, also resilienter zu machen und so zwar nicht die absolute Rendite des Portfolios, aber möglicherweise die risikogewichtete Rendite auf lange Sicht zu verbessern.
- Rohstoffe haben zumeist dann vorübergehend gute Renditen, wenn die Inflation überdurchschnittlich hoch ist oder wenn die Inflation merklich steigt. Das war in den 1970er-Jahren der Fall und auch in der jüngeren Hochinflationszeit von 2021 bis Ende 2023 oder Year to Date in 2026. In diesem Sinne tragen Rohstoffe zum kurz- und mittelfristigen Inflationsschutz in einem Portfolio bei. Wer mittel- und langfristig hohe Inflation erwartet, für den könnte ein Beimischung von Rohstoff-Futures hilfreich sein.
- Rohstoffpreise und auch Rohstoff-Futures-Renditen steigen oft – aber nicht immer – in schweren geopolitischen Konfliktsituationen, sofern diese ökonomisch bedeutende große Staaten einschließen. Allerdings: Nach Ende solcher Krisen fallen die Preise wieder – manchmal bald danach, manchmal später und langsamer.
- Zwar korrelieren Rohstoff-Futures-Renditen vergleichsweise schwach mit den Renditen von Aktien und Anleihen (für sich betrachtet ein Vorteil), doch diese niedrige Korrelation geht einher mit niedrigen Langfristrenditen.
- Wir glauben nicht, dass man die kurz- oder langfristigen Wendepunkte bei der Rohstoffpreisentwicklung nach oben oder unten im Wege einer Market-Timing-Strategie mit ausreichender Zuverlässigkeit richtig prognostizieren kann und halten Market-Timing mit Rohstoffen für alles in allem schädlich.
- Die Aktien von Rohstoff-Unternehmen sind kein guter Ersatz für echte Rohstoff-Investments.
- Die Rendite-Risiko-Kombination von konventionellen Long-Only Rohstoff-Futures für sich genommen scheint nicht ausreichend attraktiv. Eher attraktiv sind aus unserer Sicht Rohstoffe in Gestalt marktneutraler Ansätze („Long-Short“- bzw. „Carry“-Investing-Ansätze).
Literatur
Bhardwaj, Geetesh/Gorton, Gary/Rouwenhorst, Geert (2015): „Facts and Fantasies about Commodity Futures – Ten Years Later“; May 25, 2015; NBER Working Papers 21243, National
Bureau of Economic Research
Bianchi, Robert/Hua Fan, John/Todorova, Neda (2020): „Financialization and De-Financialization of Commodity Futures: A Quantile Regression Approach“; In: International Review of Financial Analysis; Volume 68, March 2020
Dequiedt, Vianney u. a. (2025): „Commodity dependence and optimal asset allocation“; In: Journal of Futures Markets; Vol. 45, Issue 3
Erb, Claude/Harvey, Campbell (2006): „The Strategic and Tactical Value of Commodity Futures“; In: Financial Analysts Journal; Volume 62; Number 2; 2006
Erb, Claude/Harvey, Campbell (2016): „Conquering Misperceptions about Commodity Futures Investing“; In: Financial Analysts Journal; Volume 72; Number 4; 2016
Gorton, Gary/Hayashi, Fumio/Rouwenhorst, Geert (2013), “The Fundamentals of Commodity Futures Returns“; In: Review of Finance 17; January 2013
Gorton, Gary/Rouwenhorst, Geert (2006): „Facts and Fantasies about Commodity Futures“: In: Financial Analysts Journal; Vol. 62; No. 2; 2006
Endnoten
[1] „Kassamarkt“ ist die deutsche Bezeichnung für Spot Market.
[2] Der zentralen UNO-Prognose zufolge wird die Weltbevölkerung in etwa 60 Jahren (ab ungefähr 2084) anfangen zu sinken.
[3] Für einen Dollar globales Bruttoinlandsprodukt werden immer weniger physische Rohstoffe verbraucht.
[4] Nicht identisch mit dem berühmten deutschen Arzt und Gewinner des Medizinnobelpreises Paul Ehrlich (1854–1915).
[5] Die Erde ist generell kein „geschlossenes System“, wie manche Rohstoffuntergangspropheten explizit oder implizit behaupten. Die Sonne führt der Erde jeden Tag beinahe unermessliche Mengen an Licht- und Wärmeenergie zu.
[6] Beispielsweise waren Beginn und Ende der industriellen Revolution (etwa 1780 bis 1870) jeweils Strukturbrüche, die die Rohstoffpreisentwicklung auf lange Zeit stark beeinflussten, aber diese Zeitpunkte konnte in Echtzeit niemand zuverlässig voraussehen. Das Gleiche gilt für Gold in Bezug auf den Strukturbruch durch das Ende des berühmten Bretton-Wonds-Standards und die Aufhebung des „Goldverbotes“ in den USA (1971 und 1974).







